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Das Grubentuch schreibt Explosionsschutz-Geschichte

© LWL-Industriemuseum / TextilWerk Bocholt

Das Grubentuch schreibt Explosionsschutz-Geschichte

Beim Steinkohleabbau und im Bergbau spielt Explosionsschutz traditionell eine große Rolle. Was heute durch hochprofessionelles Equipment gelöst wird, war in Zeiten der Ruhrgebietszechen ein einziges Hilfsmittel: das Grubentuch.

Ein griffiges Tuch aus Baumwolle oder Halbleinen in der Einheitsgröße 50 x 100 cm und mit einem Gewicht von 200 bis 400 g. Nicht zuletzt aus heutiger Sicht ist das karierte Baumwollstück nicht bloß ein Lappen – das Grubentuch ist eine geschichtsträchtige Erinnerung.

Generationen von Bergarbeitern wischten sich damit den Kohlenstaub aus dem Gesicht. Die Tücher sind besonders robust und nehmen Feuchtigkeit sehr gut auf. Die starke Musterung bewirkt, dass Verschmutzungen nach dem Austrocknen nicht so schnell sichtbar werden. Daher waren die Grubentücher in den Waschkauen so beliebt und sind heute Zeugnis der ersten Anforderungen an den Explosionsschutz.

Vom Münsterland bis ins Ruhrgebiet

Millionen Stück der karierten Baumwolltücher wurden von den münsterländischen Webereien ins Ruhrgebiet geliefert. Durch die Nähe zu den niederländischen Häfen und dem feuchten Klima bildete das Münsterland einen idealen Standort für Baumwollwebereien.

In den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts ist ein Großteil dieser Textilunternehmen verschwunden. Die kostengünstigere Konkurrenz aus dem Ausland und der Druck großer Produzenten bedeutete für die meisten mittelständisch geprägten familiengeführten Textilfabriken im Münsterland das Aus.

Neben der „klassischen“, blau-weiß-karierten Form wurde das Grubentuch auch in rot-weiß oder Ton in Ton gewebt – mal mit kleinen, mal mit großen Karomustern, aber fast immer mit dem für sie so typischen roten Randstreifen.

Ein vielfältiges Hilfsmittel

Die Bergleute nutzten die Tücher auf vielfältige Art und Weise. Sie wickelten ihre Mahlzeiten zum Schutz darin ein, da die hohe Webdichte der Tücher verhinderte, dass Kohlestaub hindurchdringen konnte. Zum anderen wischten sie sich damit Schweiß und Kohlestaub aus dem Gesicht. Schließlich trockneten sich die Kumpels nach Schichtende damit ab. Daher war die Farbe ursprünglich schwarz/grau, damit der auch durch Waschen nicht mehr restlos zu entfernende Kohlenstaub nicht sichtbar war.

Immer noch beliebt

Aufgrund seiner Eigenschaften wird das Grubentuch in Hotel- und Gastronomiebetrieben als Allzwecktuch speziell im Küchenbereich benutzt. Hier findet es als Geschirrtuch zum Abtrocknen Verwendung, sowie als Handtuch, Trockentuch oder auch als Kochschürze. Zusammengefaltet kann es als Topflappen zum Anfassen heißer Töpfe und Pfannen dienen.

Im Textilmuseum des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe in Bocholt werden die praktischen Tücher heute wieder produziert. Hier wird auch die Geschichte der münsterländischen Textilindustrie eindrucksvoll nachgezeichnet – unter anderem durch den Betrieb von historischen Webstühlen und die Produktion vom Grubentuch auf diesen historischen Maschinen.

Bei Pottlappen.de werden die Alleskönner zu modernen Retro-Accessoires aus dem Ruhrgebiet verarbeitet – zu Gesichtsgardinen, Flaschentaschen, Fensterguckkissen u.v.m.


Quellen: